Goldkröte und Co.

Vor vielen Jahren habe ich mal mit Hans Schuh von der Zeit telefoniert wegen eines Artikels über ein Projekt bei dem ich jahrelang als Projektadministratorin gearbeitet habe. Es hieß RECOGNITION und sollte den Einfluss verschiedener Umweltfaktoren auf die Europäischen Wälder untersuchen:

Den Kranken geht es prächtig

Die Bäume in Europa wachsen immer schneller, dank düngender Schadstoffe aus der Luft

Vor 20 Jahren alarmierte der erste bundesweite Bericht über „Waldschäden durch Luftverunreinigung“ die Deutschen. Schlimmes wurde befürchtet: „Erst stirbt der Wald und dann der Mensch“. Rasch machte der Begriff „Waldsterben“ Karriere, auch international. Europaweit drängten deutsche Politiker darauf, dass der Zustand der Forste länderübergreifend dokumentiert werde. So geschah es, bis heute. Doch die Daten interessieren fast niemanden mehr.

http://www.zeit.de/2003/02/N-Wald

Ich habe ihn dann auch noch an meinen Mann weiterverwiesen, der damals am selben Institut mit seinem Team eine Karte des Europäischen Waldes erstellt hat.

Wir haben uns damals sehr nett unterhalten und der Artikel ist wirklich gut geworden, finde ich.

Der Schlusssatz lautet:

Als wichtiges Ziel ihrer Forstpolitik nennt die Bundesregierung die „verstärkte Nutzung von Holz als umweltfreundlichem, nachwachsendem Rohstoff“. Manche schwärmen bereits von großen Biomassekraftwerken, die Strom und Wärme erzeugen. Heizen mit Holzhackschnitzeln soll Öl oder Gas ersetzen, um das Klima zu schonen. „Viele Bürger verstehen das nicht mehr“, sagt Hüttl. Sie fragten ihn kopfschüttelnd: „Wie will man möglichst viel Holz fällen, wo doch in der Zeitung steht, dass der Wald stirbt?“ Es ist noch viel Totholz wegzuräumen, nach dem politischen Sturm.

2010 schrieb er einen Artikel mit dem interessanten Titel “Auferstanden von den Toten”!

http://www.zeit.de/2010/46/Artensterben-Linsenfliege

Der ehrenamtliche Verein Xtinct betreibt eine Kampagne gegen das Artensterben. Um sein Anliegen unters Volk zu bringen, lässt er Künstler ausgestorbene (englisch: extinct) Spezies porträtieren. Auf Shirts oder Jacken gedruckt, sollen diese Werke zweierlei bewirken: Ihre Käufer lenken erstens mit stolz geschwellter Brust Aufmerksamkeit auf verschwundene Bioschätze wie Beutelwolf, Dodo, Goldkröte oder Riesenseekuh. Und fördern zweitens Artenschutzprojekte mit einem Teil des Kaufpreises.

Die jüngste Erweiterung des Xtinct-Sortiments ist einem verblichenen Insekt gewidmet: Die Linsenfliege gilt seit mehr als einem Jahrhundert als tot wie ein Dodo. Doch kaum war das Insekt porträtiert, da stellte sich heraus, die Fliege schwirrt noch herum . Welch erfreuliche Panne.

Und nicht nur die Linsenfliege feiert fröhliche Urständ. Amphibienforscher verkündeten kürzlich die Wiederauferstehung von drei als längst erloschen geltenden Arten, zwei Frosch- und einer Salamanderspezies. Einzelfälle? Mitnichten, es gibt Jesus-Arten zuhauf. So beschrieben Ende September australische Forscher in den Proceedings of the Royal Society B das Schicksal von 187 Säugetierarten, die seit dem 16. Jahrhundert als ausgestorben registriert waren. Stolze 67 davon, also ein gutes Drittel, wurden später wiederentdeckt. Das führt zu der Frage: Was darf man Biologen auf diesem Feld überhaupt glauben?

Die Initiative »lost frogs«(verlorene Frösche) startete jetzt im November auch eine Suche in Indien nach 48, von der Universität Delhi aufgelisteten Arten.

Robin Moore, einer der führenden Köpfe der Initiative, bezeichnet die Wiederentdeckung verschollen geglaubter Arten als »aufmunterndes Gegenmittel« zur üblichen Tristesse des Aussterbens. »Solch gute Nachrichten sind ebenso wichtig wie ernüchternde Statistiken: Sie motivieren die Leute, sich um die Misere unserer verletzlichen Freunde zu kümmern.«

Vielleicht ist ja auch die Goldkröte eine Jesus-Art. Das wäre ihr jedenfalls zu wünschen!

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