Von A nach B

Irgendwie bestimmt Transport von Waren und Gütern schon unser modernes Leben. Mich stresst es momentan etwas, da ich zwar vor Ort bin, aber alle anderen fleißig kommen und gehen. Der Mann zum Beispiel morgen wieder auf Dienstreise. Der Älteste kommt heute Abend, arbeitet aber am Wochenende auf einer Messe in Strassburg und die Tochter ist seit gestern in München und kommt am Samstag wieder. Manchmal komme ich mir vor wie der Fels in der Brandung. Nun ja, es sind ja auch noch Ferien! Manchmal bin ich ja auch unterwegs, im Oktober werde ich dann zu einem Montessori Kongress fliegen und mit einer Schulklasse an den Bodensee fahren.Früher sind wir deutlich mehr gereist, sowohl mein Mann als auch ich. Ich habe zum Beispiel vier Jahre lang als Administratorin in einem internationalen Projekt gearbeitet, dass sich mit dem veränderten Wachstum von Wäldern in Europa beschäftigte. Später habe ich promoviert, da ist man heutzutage schon viel unterwegs. Und dann sind wir auch jedes Jahr aus Finnland nach hause geflogen um die Eltern zu besuchen. Größere Reisen sind also weniger geworden, aber die kleinen Reisen eigentlich deutlich mehr.

Eine konstante Ernährung und auch die Planung erschwert das aber ungemein. Täglich essen hier mal drei, mal zwei, mal fünf, mal sieben Personen. Relativ spontan und durch die Teenager auch zu Zeiten, an denen alle anderen schon längst gegessen haben. Letzte Woche sind die zwei Jüngeren um Viertel vor Drei aufgestanden. Frühstückt man da noch? Ein spontaner Lebenswandel erlaubt halt nicht wie früher Essen um 12 und um 17 Uhr. Auch die Schulen sind ja nicht gleich. Unsere zwei großen Kids besuch(t)en das Kepler. Der Älteste wollte nie in der Schule essen und fuhr (z.T. mit Freunden) nach hause zum Kochen. Das hatte er in Finnland im Unterricht gelernt, dort haben alle in der 7. Klasse ein Jahr Hauswirtschaft und dann kann man es noch zwei Jahre lang als Wahlfach nehmen. Er hatte es drei Jahre lang. Die Tochter nutzt glaube ich den Bäcker oder den Dönerladen deutlich intensiver als die Schulmensa. Der Jüngste ging bisher auf die Staudinger Gesamtschule, wo es traditionell längere Schultage und gutes Essen, aber auch viel ungesunde Dinge zu kaufen gibt. Ich habe vorsichtshalber nicht auf seinem Chip nachgeschaut, was er sich da so reingeschoben hat. Nun wechselt er zu mir auf’s Angell. Dort haben wir seit dem Frühjahr eine “Bioteria”, das ist natürlich sehr erfreulich. Da kann er nun den direkten Vergleich testen.

Gestern hat er sich auch um die Vernichtung der Überbestände an Karotten und Radieschen verdient gemacht. Schon interessant wie die Jugend so isst. Der Älteste hält ja seit ein paar Jahren viel von Fleisch und Bier, die beiden Jüngeren dagegen sind sehr piepsig, was Fleisch betrifft. Bei den mageren Schnitzeln kam vorgestern gleich der Kommentar: Fett quietscht immer so komisch. Schon klar, der Fettrand war zwar mikroskopisch kaum zu sehen, aber er quietscht! Gemüse, Salat und Obst essen die beiden Jüngeren problemlos. Auch hier war der Älteste schon als Kleinkind der wählerischste. Während unser Ältester sein FSJ in Indonesien ableistete, hatten wir 10 Monate lang eine finnische Gastschülerin. Die aß kein Gemüse (außer Kartoffeln) und keinen Salat! Wobei sie Spargel lecker fand. Pilze aß sie, aber sonst in unserer Familie essen nur wir Erwachsene die. Sonst geht zumindest in Maßen eigentlich alles, auch Fisch. Vor den Ferien hatten wir Gastbesuch von einem spanischen Mädchen, die aß auch eher Fleisch und weniger Gemüse und Obst. Unsere Tochter war dann zwei Wochen bei ihr und ihrer Familie im Ferienhaus in Malaga und erzählte, dass die ganze Familie dort kein Obst aß, obwohl das so lecker war. Individualisten und noch dazu andere Länder, andere Sitten…

Heute gab es so eine Art Ratatouille mit Nudeln, bei mir sogar zweimal, einmal kalt in der Schule ohne Nudeln und einmal Abends. Hat jedes Mal anders geschmeckt.

Da ich jetzt schon in die Schule muss, habe ich vorgekocht. Das ist auch so ein Problem des Projektes: ich habe eingekauft und auch eine Vorstellung, was es geben soll. Die anderen sind dann ein bisschen hilflos wenn ich nicht da bin.

Der Jüngste war gestern dabei auf dem Markt und sagte danach: “die Leute auf dem Markt sind immer so nett!” Stimmt ja auch. Unser Ältester hat mal sechs Monate lang bei einem Marktstand in Weingarten gearbeitet. Dann war es ihm zu stressig. Sehr früh aufstehen, schwere Kisten rumheben, stundenlang stehen, im Winter kalte Hände… Als die Kinder klein waren sind wir jedes Jahr einmal zur Gemüseernte zu Freunden auf den Biohof. Mir war immer sehr wichtig, dass die Kids zumindest eine Idee haben wo alles wächst und wieviel Mühe die Produktion macht. Unsere Tochter arbeitet seit mehreren Jahren beim Kontiki mit und ich finde es super, dass sie so einen Einblick bekommen. Ich habe dieses Jahr eine 7. Klasse und die fahren seit letztem Jahr bei uns immerhin mehrmals im Schuljahr einen Nachmittag auf einen Bauernhof und lernen so verschiedene Tätigkeiten von Bauern kennen.

Aber zurück zum heimischen Herd. Der Rest der Familie hat schon Schwierigkeiten, es sei denn, das Essen steht wirklich direkt auf dem Herd und muss nur noch aufgewärmt werden. Ich habe das Jagen und Sammeln doch relativ alleine bestritten und die anderen machen zwar erstaunlich willig mit, sind aber eher passiv was das Mitdenken betrifft. Wir haben auch nicht alles weggeräumt, was nicht 50 km-kompatibel ist und das sorgt dann für Verwirrung. Im Zweifel wird nichts gegessen, oder ein Apfel. Wegen des Kochens und Aufwärmens: wir haben einen Induktionsherd, das finde ich super und dann auch noch eine Mikrowelle, das ist zwar vielleicht nicht so ökologisch korrekt, aber immerhin energie- und zeitsparend.

Wenn ich länger auf die regionale Art kochen würde, dann wäre es für mich deutlich viel mehr Aufwand, sowohl in der Planung als auch in der Durchführung und ich müsste auch mehr Struktur von den anderen einfordern und weniger Spontanität zulassen. Wäre aber vielleicht gar nicht schlecht. Klingt aber fast schon wieder wie Schule! Bin ja mal gespannt ob sich auch jemand für den Winter findet für das Projekt. Da müsste man jetzt ja schon eine groß angelegte Einkochaktion starten!

Leider klappt das mit dem MP3 vom Radioprogramm nicht, denn dann bräuchte ich ein “Space Upgrade”, das kostenpflichtig ist und das spar ich mir doch lieber. Schade drum! Wenn den Beitrag jemand bei SWR 4 im Archiv finden sollte und mir den Link schickt…

Da ist der Link!:

http://sbamueller.wordpress.com/2011/09/08/50km-diat-fruhstuck-mit-dem-swr/

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