Finnische Papierfabriken, Freiburger Bier in Karlsruhe und Pizzaservice

Der Sonntag erklärt die Welt… Ein finnischer Konzern spielt in Baden Heuschrecke und Ganter füllt sein Bier in Karlsruhe ab. Kann das alles ökologisch sein? Unter Umständen schon, wie die Brauerei erklärt:

http://img.der-sonntag.de/dso-epaper/pdf/DS_frs_04.09.2011.pdf

Aber die Experten sind sich nicht ganz sicher, denn nichts genaues weiß man nicht. Ich bin mir auch nicht mehr sicher wem oder was ich glauben soll. Wer weiß schon genau was ökologisch ist? Habe letztens gelesen, dass Polyester T-Shirts ökologischer sind als Baumwoll T-Shirts, wenn man alle Faktoren berücksichtigt:

http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=3186

Verschwendung kann außerdem auch nützlich sein:

http://www.zeit.de/2010/18/Recycling-mode

Und zu Papierfabriken: das meiste Papier beziehen wir aus Finnland. Auch Tetra Paks. EU-weit gelten für Produzenten Recyclingquoten. Finnland hat nur 5,3 Millionen Einwohner, die können gar nicht so viel Müll produzieren, wie sie Papier und Tetrapacks exportieren und damit auch wieder recyclen müssen. Was müssen sie also tun um ihre Quoten zu erfüllen? Zum Beispiel in Deutschland weggeworfene Tetra Paks wieder importieren um sie zu recyclen. Ökologisch?

Nach Angaben des Dualen Systems Deutschland wurden 2004 in Deutschland 155.000 t gebrauchte Getränkekartons gesammelt, was einer Quote von ca. 65 % entspricht. Der überwiegende Teil wurde in zwei deutschen Papierfabriken verwertet: In Kreuzau bei Düren steht eine Anlage der Papierfabrik Niederauer Mühle, eine weitere Recyclinganlage hat ihren Standort in Raubling bei Rosenheim. Mehr als 20 % der Sammelmenge wurde in Finnland in einer Recyclinganlage der Firma Corenso United wiederverwertet.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Getr%C3%A4nkekarton

Wäre es da nicht doppelt ökologisch, wenn die Finnen in Deutschland Getränkekartons oder Papier produzieren (z.B. in der Fabrik in der Nähe von Freiburg, die sie jetzt schließen, s.o.)? Der ökologische Fußabdruck ist nicht so einfach zu ermitteln. Er kann besser sein, wenn eine Karlsruher Abfüllfirma ihre neuere Abfüllmaschine besser auslasten kann, auch wenn dazu Lastwagen von Freiburg nach Karlsruhe hin und her fahren. Macht unser 50 km Ansatz also überhaupt Sinn? Ist die Produktion von lokalem Steinsalz energetisch aufwändiger als die Produktion von Meersalz in der Provence? Sind das Feinheiten, mit denen ich mich besser gar nicht aufhalten sollte?

Keine Ahnung, aber gerade haben mich die jugendlichen Besucher des Ältesten gefragt, ob ich auch Pizza möchte, sie würden welche bestellen. Aber: wir Erwachsene fangen ja heute an mit der Klimadiät um den nächsten Samstag zu kompensieren. Also: bestellte Pizza gespart (inklusive Lieferung und Pappkarton). Das ist sicher ökologischer als Pizza zu bestellen. Aber die Jugend darf essen, denn sie geht nicht mit auf die Party nächste Woche. Darf ich es tolerieren, dass die von anderen bestellte Pizza hier gegessen wird? Noch eine Frage, die ich mir nicht gestellt habe: was ist, wenn die Kids jemanden besuchen oder woanders übernachten? Der Älteste geht nächste Woche auch arbeiten und der Mann auf Dienstreise. Gilt die Klimadiät nur für das was in unserem Haus passiert (aber: siehe Pizza)? Klar: ich bin ja diejenige die nächste Woche für die Familie einkauft und die Küche koordiniert, also das läuft dann schon streng nach Regeln. Und wenn ich weg gehe, dann nehme ich mir was mit. Jetzt muss ich fragen, wie es die anderen Herren und Damen halten wollen. Verlängerung? Carepaket? Wenn der eine in Strassburg ist und der andere in Nancy, dürfen die dann Freiburger Produkte dort essen oder müssen sie essen was da produziert wird? Mistkomplexer, moderner Lebenswandel!

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