Abseits der Challenge – im Reiche der Bequemlichkeit

apropos Schrot und Korn (mitgenommen im Bioladen), nachdem meine finnische Freundin sich ja letzte Woche über die Menge an Lebensmitteln die weggeworfen wird oder es nicht mal bis in die Läden schafft, weil sie nicht den Standards entspricht, aufgeregt hat, hier noch eine bzw. mehrere Ergänzung(en). Habe mit meinen Nachbarn angeregte Gespräche geführt – überhaupt ein netter Nebeneffekt dieses Projektes, man redet mit allem und jedem darüber! Der eine Nachbar erzählte auf meinen aufgebrachten Bioladenbericht hin, dass er die Besitzer eines solchen kennt. Sie bieten eine möglichst große Standardpalette an weil die Erfahrung zeigt: der Kunde möchte möglichst viel mitnehmen und kommt nicht nur wegen drei Produkten, da er keine Lust hat in mehrere Läden zu laufen (das Gefühl kenne ich). Der Bioladenbesitzer hat also auch drei Avocados (aus Israel?), von denen er wahrscheinlich jede Woche zwei nicht verkauft.

Mit dem anderen Nachbarn habe ich mich über Biokisten unterhalten. Er erzählte: “Ja, so eine hatten wir auch mal, aber das Problem war: wir konnten das nicht alles essen, bzw. es waren Sachen drin, die wir nicht brauchten. Wir hätten das ja online aussuchen können was drin sein soll, aber da hätte man wieder rechtzeitig dran denken müssen.” Wir sind uns schnell einig, dass wir vieles unserer Bequemlichkeit opfern. Da wir seltener einkaufen legen wir dann auch leicht größerer Vorräte an, allerdings oft energieintensiv im Kühl- oder Gefrierschrank, denn wer hat schon noch einen kühlen Gemüsekeller? Bei größeren Vorräten wird aber auch öfter etwas schlecht! Womit wir wieder beim Thema wären:

Essen wegwerfen? Eine Schande!

Leute meinen Alters erinnern sich noch an Butter- und Tomatenberge und Milchseen. Was paradiesisch klingt ist ein Alptraum! Über den inzwischen aber nur noch sporadisch geredet wird.

“In Deutschland werden jährlich rund 20 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Bundeslandeswirtschaftsministerin Ilse Aigner macht sich jetzt gegen die Lebensmittelverschwendung stark. Ihr Ziel ist es, den Nahrungsabfall zu senken und dass die Bürger ihre Lebensmittel wieder schätzen lernen. „Wir müssen die Verschwendung stoppen“, fordert Aigner. Ihr Ministerium möchte Hersteller, Händler und Verbraucher unterstützen, künftig weniger Lebensmittel in den Abfall zu werfen. Dabei sollen neue Strategien entwickelt werden, wie die Verschwendung gesenkt werden kann. Hochrechnungen in Europa haben ergeben, dass jeder Bürger in Deutschland pro Jahr Nahrung im Wert von 330 Euro wegwirft. „Lebensmittel sind wertvoll – wir sollten sie mehr schätzen“, unterstreicht Aigner.

In den Industriestaaten fällt sehr viel Nahrungsabfall im Handel an. An dieser Stelle muss angesetzt werden. Auch muss eine sinnvolle Verarbeitung der Reststoffe entwickelt werden. Im privaten Haushalt bedarf es einer genaueren Planung vor dem Einkauf. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat nun eine umfassende Untersuchung über die Lebensmittelverschwendung in Deutschland erstellt. Weiterhin werden die Gründe für die hohen Raten in Europa erforscht. Die Bundesregierung möchte die Ergebnisse Ende 2011 vorlegen und neue Vorschläge zur Verringerung des Abfalls vorbringen. Die Aktivitäten der Landwirtschaftsministerin werden vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL) sehr begrüßt. Der Verband äußert: „Wir garantieren unseren Kunden täglich ein umfassendes Angebot, das es ihnen ermöglicht, bedarfsgerecht einzukaufen“. Das Mindesthaltbarkeitsdatum sei dabei ein wichtiges Hilfsmittel für die Verbraucher. Allerdings werfen 84% aller Deutschen Lebensmittel weg, wenn das Haltbarkeitsdatum überschritten ist. Der Verband ist aber der Meinung, dass das Haltbarkeitsdatum zu Unrecht kritisiert wird. Es sei für den Verbraucher eine Garantie, dass die Lebensmittel eine einwandfreie Güte besitzen, heißt es.”

Gut wer im Matheunterricht aufgepasst und Transferfertigkeiten vermittelt bekommen hat. Visualisierung von abstrakten Mengen hilft immer! Im Schrot und Korn heißt es 20 Millionen Tonnen entspricht 175 Milliarden Äpfeln oder 200 Milliarden Tafeln Schokolade!!!
Fred Grimm hat dagegen folgende Tips zur Verschwendungsvermeidung:
  1. Keine Angst vor leeren Kühlschränken
  2. Qualität geht vor (was teuer war, wirft man nicht leicht weg!)
  3. Reste versorgen (Linktip: www.lovefoodhatewaste.com oder www.schrotundkorn.de/rezepte – Zutaten eingeben, Rezepte bekommen)
  4. Selber kochen
  5. Vorbei ist nicht vorbei (wenn das Haltbarkeitsdatum gerade abgelaufen ist, muss das noch nichts heißen)

Allerdings kann ich von Strategie Nummer 5 beim Biokäsefondue von Migros nur abraten. In der Woche in der das Mindesthaltbarkeitsdatum der Packung ablief stellte ich fest, woher die Wurm- und Fliegenfarm in meinem Apothekerschrank stammte. Kommentar von Migros Freiburg wo ich versuchte die Wurmfarm wieder loszuwerden:

“Das haben Sie aber in der Schweiz gekauft, das müssen Sie auch da reklamieren. Wir sind zwei getrennte Konzerne.”

Na Mahlzeit für den CO2 Abdruck!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s