Bäckercheck

Frau Heitzmann war am schnellsten mit ihrer umfassenden Antwort:

“was möglich ist wird natürlich in bzw. aus der Region gekauft, z.B. Erdbeeren, Kirschen, Zwetschgen usw. kommen vom Kaiserstuhl oder aus dem Ortsteil Schlatt, die Grethermühle aus Sulzburg liefert Mehl, Biogetreide, Leinsaat, Sesam, Sonnenblumenkerne, weitere Mehllieferanten sind die Löffelmühle aus FR-Waltershofen und die Reissmühle aus Lörrach, Salat liefert uns die Firma Schwarz KG, aus Denzlingen, Gurken, Tomaten für die Belegten liefert die Firma Braun Gemüsegroßhandel Bad Krozingen. Alle anderen Rohstoffe (z.B.Zucker, Salz, Kakao, Hefe usw), kaufen wir bei der Bäko (Bäcker-Konditoren-Genossenschaft) in Freiburg ein.”


Gut, dass wir uns auf die Gewürzregelung geeinigt hatten… wobei Zucker ja ganz offensichtlich unter das Kapitel Ausnahme fällt und wenn nicht als Ausnahme gewählt, sind dann die süßen Teilchen ohnehin hinfällig. Salz fällt eher unter “geringe Mengen”. Das muss wohl nun jeder für sich entscheiden. Laugenbrötchen sind aber trotzdem knifflig, da müsste man nochmal nachhaken, denn z.B. K&U schreibt:

“Die Laugengebäcke kommen von unserer Bäckerei in Reutlingen.”


wohingegen alle anderen Backwaren in Neuenburg hergestellt werden. Wegen der Rohstoffe habe ich nochmal nachgehakt.

Vorhin habe ich ein Telefonat mit einem sehr netten Herrn der Firma Pfeifle geführt. Er sagte, das Biomehl komme aus Umkirch, das Weizenmehl sei auch von einer Mühle der Region, aber die Mühlen kauften auch Mehl zu und mischten das, so müsse man da ehrlicherweise sagen dass totale Kontrolle umöglich sei. Die Hefe, der Sauerteigansatz,
der Zucker, das Salz und die Körner kämen vom Großhandel und seien eben auch nicht von hier. Die Teiglinge für die Laugenbrötchen werden hier produziert, aber die Brezeln werden von außerhalb der Region eingekauft. Ebenso die Croissants. War auch sehr interessant, habe noch nicht drüber nachgedacht, dass man in einer warmen Backstube keine Croissants herstellen kann. Ich fragte, was er mir empfehlen würde, da sagte er in meinem Fall das Oberlindenbrot, bzw. das Steinofenbrot und die Steinofenweckle.

Von der Bäckerei Kaisers kam eine Mail in der steht:

“Alle Produkte, die wir anbieten, werden an unserem Produktionsstandort in Ehrenkirchen hergestellt. Bei den Zutaten achten wir darauf, so weit wie möglich regionale Lieferanten zu bevorzugen. So beziehen wir das Mehl und Biogetreide von der Löffelmühle in Waltershofen sowie der Hubermühle in Hohberg. Milchprodukte erhalten wir von der Schwarzwaldmilch in Freiburg. Obst und Gemüse beziehen wir von regionalen Großhändlern, diese wiederum beziehen ihre Produkte allerdings auch von weiter entfernten Produzenten. Besonders empfehlen würde ich Ihnen unser komplettes Brot- und Brötchensortiment, insbesondere die Bio-Produkte in diesem Bereich, denn die Hauptzutat Getreide wird garantiert regional hergestellt und das Biogetreide wird sogar bei uns im Haus täglich frisch gemahlen.Ansonsten kann ich ihnen aktuell unsere leckeren Zwetschgenschnitten sehr empfehlen. Die Zwetschgen dafür stammen von einem unserer Mitarbeiter, der selbst Zwetschgen am Kaiserstuhl anbaut.”

Die Bäcker betonen also alle, dass sie da, wo es möglich ist, regionale Waren bevorzugen. Und Bio, dem sie sich auch verpflichtet fühlen, ist ja nun nicht das Hauptanliegen bei unserem Projekt.

Interessant war eine Diskussion mit dem Fahrer einer Tiefkühlfirma, die nach hause liefert. Die Verarbeitung der Waren erfolgt zu nördlich, also fallen alle Produkte raus. Er meinte aber, wenn wir eine Diskussionsrunde hätten, dann sollten wir doch mal berücksichtigen, dass seine Firma zum Beispiel Produkte von dort kauft, wo sie natürlicherweise wachsen, weil da Boden- und Umweltbedingungen geeignet seien. Sein Beispiel war: Erbsen aus Schweden. Das spart Düngereinsatz und unnötigen zusätzlichen Aufwand beim Anbau. Er hat Landespflege studiert. Außerdem gäbe es ja auch auf dem Markt Stände, die ihre Waren hauptsächlich vom Großhandel bezögen.

Mir fällt dabei ein, was mal Professor Sagawa in Hawaii gesagt hat, bei dem ich vier Monate im botanischen Garten als Studentin ein Praktikum machte. Es gibt Leute auf Hawaii, die unbedingt temperate Orchideen züchten wollen und dafür ihre Zimmer auf 16 Grad abkühlen. Sein Motto dagegen war: wenn etwas auf meiner Fensterbank nicht gedeiht, dann schenke ich es meinem Nachbarn!

Es kommt bei dieser Argumentation dann wieder unser gestriges Diskussionsthema ins Spiel: in Finnland wäre der ökologische Fußabdruck von einer finnischen Gewächshausgurke sicherlich größer als der von einer spanischen Freilandimportgurke. Das macht es nicht einfacher! Und wenn es um das Preis-/Leistungsverhältnis geht sind die türkischen Biosonnenblumenkerne auch günstiger als die hiesigen. Wenn man dann noch in die sozioökonomische Komponente einsteigt (die türkischen Bauern müssen schließlich auch leben) wird es völlig unübersichtlich. Aber das wollen wir ja nicht!

Jetzt muss ich aber noch was zu Raiffeisen loswerden. Das hilft nur richtig, wenn man lokal vom Bodensee bis zur Schwäbischen Alb sieht. Äpfel, Wein, Sekt, Kartoffeln, Würze, Honig – das geht, aber schon die Nudeln werden zu weit weg produziert. Was ganz interessant ist, ist dass es Fertigbrotbackmischungen gibt. Die Mühle ist in der Nähe, aber bei Beimischungen hat man natürlich dasselbe Problem wie mit dem regionalen Bäcker. Also ich bereite mich jetzt schon mal innerlich drauf vor, die Getreidemühle doch wieder aus dem Keller zu holen, aber was ist dann mit der Hefe? Sauerteig, das habe ich vor vielen Jahren ausprobiert und das Brot war immer klotzig und schwer verdaulich. Also da bräuchte ich wenn dann tatsächlich einen Experten, der mir zeigt wie das funktioniert! Aber bei Raiffeisen verkauft freitags von 10.30-16.00 auch ein Bauer seine Eigenproduktion und auch Holzofenbrot. Vielleicht sollte man das mal noch abchecken. Und ich schau mal noch nach, ob der leckere TK-Flammkuchen von Raiffeisen geht. Das wär ja noch was!

1 thought on “Bäckercheck

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