War früher alles besser?

Irgendwie könnte man es ja schon meinen. In letzter Zeit geht jedenfalls die Entwicklung in vielen Bereichen wieder dahin zurück wo wir schon mal waren. Die Hühner sollen wieder frei laufen dürfen, der Wolf kehrt ins Elsass zurück und soll dort wieder lernen Wild statt Lämmer zu fressen, der Landwirt soll die Kühe wieder auf die Wiese lassen und gefälligst sparsam mit dem Dünger umgehen. Wir sind uns vielleicht einig: früher war es tatsächlich in vielen Details zumindest für alle anderen Spezies außer dem Mensch besser. Der einzige echte wahre und einigermaßen umweltfreundliche Fortschritt zur Erhöhung unserer durchschnittlichen Lebensdauer war die verbesserte Hygiene. Und sobald eine kleinere Katastrophe (die natürlich zugegebenermaßen für die Betroffenen eine ganz schreckliche Katastrophe ist) wie EHEC in Deutschland zuschlägt rückt auch die mangelnde Hygiene wieder als Gefahrenfaktor ins Bewusstsein. Oder liegt es vielleicht sogar mal wieder an agressiven Keimen, die durch übertriebene Hygiene erst so richtig die Oberhand gewinnen können?

Nun ja, Großbetriebe müssen natürlich noch mehr aufpassen mit der Hygiene. Mein Vater stammt aus einer Familie mit Nebenerwerbswinzerei und früher hatten sie auch ein Schwein und Hühner zu hause. Die alten Bilder vom Schlachtfest stellten mir als Stadtkind die Nackenhaare auf. Dazu erzählte mein Vater immer, dass die Sau genau wusste, dass sie geschlachtet werden sollte und man sie über den ganzen Hof jagen musste um sie einzufangen. Als ich vorletztes Jahr auf dem Freiburger Schlachthof stand um Schweineherzen und Blut für den Biounterricht zu holen wurde mir allein vom Gemuhe im Hintergrund ganz mulmig. Oder auf dem Forellenhof, als ich unausgenommene Forellen holte und die Thekenkraft sie aus dem Becken fischte und kurz und gezielt mit einem Kunststoffrohr auf den Kopf – ja wie sagt man – tötete halt. Bin wirklich froh, dass jemand die schmutzige (aber hoffentlich hygienische) Arbeit für mich normalerweise in meiner Abwesenheit macht und ich nichts mitbekommen muss.

Wie wäre es denn nun, wenn das keiner mehr täte und man sich wie früher wieder selbst versorgen und ganz notwendigerweise mit einer vielleicht 20 km Diät ernähren müsste? Wenn also die Bauern keine vielbescholtenen Subventionen mehr kriegen und den Bettel einfach hinschmeißen? Meine Tante und die Oma meines Mannes hatten früher noch riesige Nutzgärten. Wenn man da hinkam bekam man haufenweise Selbstgemachtes und Blumen mit. Als Kind dachte ich immer: können die Armen sich ihre Marmelade denn nicht im Supermarkt kaufen? Heute denke ich, dass es total schön wäre noch einmal die Marmelade, die eingemachten Pfirsiche und den Johannisbeersaft schnorren zu können!

Jedes Jahr im Herbst halfen wir der anderen Schwester meines Vaters (ja klar, man hatte mehr Geschwister) bei der Weinlese. Dazu gehörte für die Kinder auch an den verstreuten Obst- und Nussbäumen Streuobst und Nüsse zu sammeln. Als Stadtkind überfiel mich beim Streuobst immer das kalte Grausen: wie, aus diesen angefaulten Äpfeln kann man (zugegebenermaßen leckeren) Apfelkuchen machen??? Und die ekligen Trauben, die ich neben den Eimer fallen ließ sollen besonders wichtig für die Süße des Weines sein???

Unsere Elterngeneration hätte keine großen Schwierigkeiten, wieder auf Selbstversorgung umzustellen. Die meisten von ihnen haben das ja noch selbst erlebt und haben eine Vorstellung, wie das funktioniert. Unsere Generation wäre schon ziemlich aufgeschmissen! Mal ganz zu schweigen davon, wenn man auch noch wieder ohne Strom kochen und backen müsste. Ich habe das mal ab und zu mit Pizza, Brot/Brötchen oder Römerbraten im Specksteinofen gemacht, aber mit sowas kniffligem wie Kuchen würde ich mich das auf keinen Fall trauen.

Unser kleines Experiment stellt ja zum Glück lange kein so großes Problem dar. Wir müssen nichts selber anbauen oder schlachten und es geht nur um eine Woche. Viel beeindruckender finde ich da den Selbstversuch einer finnischen Familie, ein Jahr lang ohne Öl (sprich auch ohne Plastik) auszukommen! Der Dokumentarfilm dazu kam letztens im Fernsehen. Der Originaltitel heißt “Recipes for Disaster” und spricht schon Bände!

recipes for disaster – trailer:

http://www.youtube.com/watch?v=q9ecxtr_8b4

for the film type “Recipes for Disaster” in google video…

Some of John Webster’s views on climate change:

part 1: http://www.youtube.com/watch?v=MIkuFmOvaQ4

part 2: http://www.youtube.com/watch?v=2tV8f9EJ0Go&feature=related

Different countries, similar thoughts. Good to have friends:

http://minnaonleave.blogspot.com/2011/08/day-12.html

2 thoughts on “War früher alles besser?

  1. i won’t even try this in German 🙂 Another thing that is really bothering me here in FInland is how e.g hospitals choose what they purchase; a recent example is the old people’s home where my sister is now working. There is local dairy in town that produces milk in several forms from low fat low lactose to fatty good old whole milk. Previously all municipality ran services from kindergardens to old people’s home got their milk from the dairy. Now they are changing into a nationwide brand and the deliveries are made by the truckloads. I don’t get it, one would think that keeping things local would benefit everyone!

    • You are right. Last year I was in a hotel in Dortmund and quite impressed that they have the lactose free milk from our dairy in Freiburg, and I am happy for the dairy of course, but it is odd that things that are transported around half the globe (like H&M T-Shirts) are cheaper than local produce. Makes you question the costs for system of transportation for once! We have the problem here that the local slaughterhouses are closing (also there are hardly any vets left who’d like to work there) and then the aminals get transported for hundreds or thousands of km, because a cooled truck for the meat would be more expensive than a truck for the life animals. THAT IS DISGUSTING! So if I change nothing else but keep buying only local meat I think that is already one important change to make!!!

      http://www.wspa.de/latestnews/2008/hwc-film-erhaelt-auszeichnung.aspx

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